Samstag, Mai 14, 2005

Über 200 Tote in Usbekistans Wirren

Die Niederschlagung der Revolte in der usbekischen Stadt Andijan soll nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen laut Washington Post mindestens 200 Tote gefordert haben. Präsident Karimow verteidigte das Vorgehen der Armee, die am Freitag auf Demonstrierende geschossen hatte. Er machte Islamisten für den Aufstand verantwortlich. Am Samstag sollen wieder mehrere Hundert Personen in Andijan auf die Strasse gegangen sein und das Blutbad unter usbekischen Demonstranten hat nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation bis zu 300 Personen das Leben gekostet. Die Militärs sollen am Freitag laut Augenzeugen ohne Vorwarnung gegen die Menschen vorgegangen sein und dabei Panzer eingesetzt haben. Die Leichen seien mit Lastwagen und Bussen abtransportiert worden. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder. Islam Karimow sprach von zehn Todesopfern unter den Soldaten und «vielen mehr» unter den Demonstranten. Mindestens 100 Menschen seien verletzt worden. Auslöser der Unruhen war der Beginn eines Prozesses gegen 23 Geschäftsleute, die angeblich Verbindungen zu islamistischen Organisationen haben. Eine Menge stürmte am Freitag das Gefängnis und befreite rund 2000 Häftlinge, darunter die 23 angeklagte Geschäftsleute. Soldaten schossen auf die Demonstranten, deren Zahl auf rund 4000 angewachsen war. Unbeeindruckt von den Todesschüssen auf Demonstranten versammelten sich am Samstag erneut Hunderte Menschen auf dem Platz vor dem Sitz der Regionalvertretung im Zentrum von Andijan. Sie forderten Karimows Rücktritt sowie bessere Lebensbedingungen. Die Lage blieb aber nach Angaben usbekischer Oppositionsmedien den Tag über ruhig. Etwa 4'000 Usbeken versammelten sich am Samstag an der Grenze zu Kirgisien und baten um Asyl. Ein kirgisischer Grenzbeamter erklärte, man warte derzeit auf eine Entscheidung der Regierung, ob die Usbeken einreisen dürften. Nach unbestätigten Angaben sollen am Samstag Gebäude der Finanzpolizei in einem Ort an der Grenze zu Kirgisien überrannt und Polizeiautos in Brand gesteckt worden sein. Grenzsoldaten seien verprügelt worden. Usbekische Hubschrauber kreisten über Korasuw, 50 Kilometer östlich von Andijan. Richard Boucher äusserten die Besorgnis, dass bei der Erstürmung des Gefängnisses in Andijan Mitglieder der als terroristisch eingestuften Islamischen Bewegung Usbekistans frei gekommen seien. Die USA forderten alle Beteiligten an dem Konflikt in Andijan auf, Zurückhaltung zu üben. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich nach einem Telefonat mit Karimow «besorgt» über die «Versuche, die Lage in Zentralasien zu destabilisieren». Dagegen zeigte sich das westliche Europa betroffen von den hohen Opferzahlen. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel, die Situation resultiere auch aus «dem mangelnden Respekt der Regierung vor den Menschenrechten und dem Rechtsstaat». Inzwischen wurden Journalisten, die für ausländische Medien arbeiten, auf Anweisung der Behörden aufgefordert, die usbekische Unruhestadt Andijan zu verlassen. Die Sicherheit der Reporter sei nicht mehr gewährleistet, lautete die Erklärung. Der usbekische Sicherheitsdienst gab den Journalisten, die kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen worden waren, 30 Minuten Zeit zum Verlassen der Stadt. Sieben Journalisten hatten über die am Freitag ausgebrochenen Unruhen aus Andijan berichtet.
AUFSTAND IN USBEKISTAN Dutzende Tote in Andischan Spiegel Online
Neuerliche Proteste der Opposition Der Standard
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